Der lustige Zigeuner
Aus einer Zeit, als man noch nicht wusste, dass sie Sinti und Roma heißen, stammt das Gemälde mit dem fröhlich lachenden, schwarzhaarigen, braunhäutigen, weißzähnigen Zigeuner. Sein Kopf und seine Schultern schälen sich aus tiefschwarzer Dunkelheit hervor, sein gelbliches Hemd hat viele kleine Löcher, und seine zärtlichen Hände spielen Geige. Es ist eines dieser Bilder, die Tanz und Musik abbilden können, und man steht davor und glaubt, die gefühlvoll-lustig-traurige Melodie des Streichinstruments zu hören. Der Zigeuner selbst ist in Lebensgröße zu sehen, jedenfalls fast, oder er ist ein kleiner Mann, unter 1,60. Dabei selbstbewusst und lebensweise und schön: ein schöner, schwarzhaariger, feurig-lebenslustiger Zigeuner!
Sie hat ihn sich zur Hochzeit gewünscht. Sie hat ihn sich von ihrer Schwiegermutter schenken lassen. Ausgerechnet sie, die Frau mit ihren verhaltenen Emotionen, und dann dieser feurige Kerl. Damals war er einige Jahre älter als sie, heute hat sie ihn um 50 Jahre überholt. Er selbst blieb unverändert und strahlt noch immer die gleiche Lust aus wie damals. Er hängt über ihrem Bett, schlecht platziert, der Bilderrahmen sollte besser mit den Möbeln abschließen, sie hat wenig Stil für so etwas. Oder ist es der Geiger, der sich nicht in Muster fügen möchte.
Sie muss einmal etwas in sich gespürt haben, für diesen feurigen Musiker muss Resonanz in ihr gewesen sein. Jung und voller Leben muss sie gewesen sein. Sie muss ihn sich ausgesucht haben, weil sie sich ein Sein voller Lust und Fröhlichkeit wünschte. Was wurde daraus. Wo hat sich das heiße Blut, die tänzerische Leidenschaft in den Jahrzehnten verirrt? Man spürt nichts mehr davon. Das alles muss in Enttäuschungen ertrunken sein, und dann im Altwerden oder im frühzeitigen Altsein vielleicht.
Was fühlt sie, wenn sie den schwarzen Zigeuner heute über ihrem Bett hängen weiß, was erzählt er ihr? Wohin nimmt er sie mit, wenn sie mit ihm träumt? Wird sie in ihrem Leben noch einmal etwas machen, das nicht aus Zurückhaltung, sondern aus Verrücktem geboren wird? Oder wird sie sterben, so wie sie geworden ist: leise, unsicher, angstvoll, leidenschaftslos. Wird sie sich dann ihrem Zigeuner an die zärtliche, männliche Schulter lehnen und sagen, er möge sie in die schwarze Finsternis einfügen, die eins mit seinen langen Haaren ist, und er möge ihr ein Lied spielen, ein letztes, eine von diesen gefühlvoll-lustig-traurigen Sehnsuchtsmelodien. Wird sie in seinen Armen vergehen und das Glück und das Kribbeln noch einmal fühlen, das sie fühlte, als sie sich damals, vor einer Ewigkeit, die gestern war, in ihn verliebte, in das Bild dessen, das sie leben wollte und nie fand.
Sie hat ihn sich zur Hochzeit gewünscht. Sie hat ihn sich von ihrer Schwiegermutter schenken lassen. Ausgerechnet sie, die Frau mit ihren verhaltenen Emotionen, und dann dieser feurige Kerl. Damals war er einige Jahre älter als sie, heute hat sie ihn um 50 Jahre überholt. Er selbst blieb unverändert und strahlt noch immer die gleiche Lust aus wie damals. Er hängt über ihrem Bett, schlecht platziert, der Bilderrahmen sollte besser mit den Möbeln abschließen, sie hat wenig Stil für so etwas. Oder ist es der Geiger, der sich nicht in Muster fügen möchte.
Sie muss einmal etwas in sich gespürt haben, für diesen feurigen Musiker muss Resonanz in ihr gewesen sein. Jung und voller Leben muss sie gewesen sein. Sie muss ihn sich ausgesucht haben, weil sie sich ein Sein voller Lust und Fröhlichkeit wünschte. Was wurde daraus. Wo hat sich das heiße Blut, die tänzerische Leidenschaft in den Jahrzehnten verirrt? Man spürt nichts mehr davon. Das alles muss in Enttäuschungen ertrunken sein, und dann im Altwerden oder im frühzeitigen Altsein vielleicht.
Was fühlt sie, wenn sie den schwarzen Zigeuner heute über ihrem Bett hängen weiß, was erzählt er ihr? Wohin nimmt er sie mit, wenn sie mit ihm träumt? Wird sie in ihrem Leben noch einmal etwas machen, das nicht aus Zurückhaltung, sondern aus Verrücktem geboren wird? Oder wird sie sterben, so wie sie geworden ist: leise, unsicher, angstvoll, leidenschaftslos. Wird sie sich dann ihrem Zigeuner an die zärtliche, männliche Schulter lehnen und sagen, er möge sie in die schwarze Finsternis einfügen, die eins mit seinen langen Haaren ist, und er möge ihr ein Lied spielen, ein letztes, eine von diesen gefühlvoll-lustig-traurigen Sehnsuchtsmelodien. Wird sie in seinen Armen vergehen und das Glück und das Kribbeln noch einmal fühlen, das sie fühlte, als sie sich damals, vor einer Ewigkeit, die gestern war, in ihn verliebte, in das Bild dessen, das sie leben wollte und nie fand.
0 Comments:
Kommentar veröffentlichen
<< Home