Montag, 23. April 2007

Keine Sehnsucht

Ich habe keine Sehnsüchte mehr. Ich bin vollends dazu übergegangen, Dinge zu tun, statt mich nach ihnen zu sehnen. Ja, seit geraumer Zeit kann ich es sogar nicht mal mehr leiden, wenn man in der Sehnsucht nach Dingen schwelgt, statt entschlossen nach ihnen zu greifen und zielstrebige Schritte zu tun, um die Dinge zu erreichen. Ich neige zu dem Gedanken: Don´t dream it, be it. Das klingt gut, und vielleicht habe ich mich früher einmal, als ich noch mehr Romantiker war und weniger Pragmatiker als heute, still und heimlich danach gesehnt, diesen schönen pragmatischen Satz zu verinnerlichen.

Alles ist möglich, scheint mir, und was nicht möglich ist, danach soll man sich erst gar nicht sehnen, denn es wäre ein unnötiges Unterfangen, sich nach Unerreichbarem zu sehnen oder nach gegenwärtig noch nicht Erreichbarem. Vielleicht ist das genau der richtige Weg, und vielleicht ist es die beste Form, im Hier und Jetzt zu leben. Aber wer weiß, manchmal glaube ich, mir gingen mit den Sehnsüchten auch meine Träume verloren. Und geht nicht jedem entschlossenen Lebensweg und jedem Plan und jeder Entwicklung erst ein Traum voraus?

Dann denke ich mir manchmal, vielleicht wird es Zeit, mich wieder an das Sehnen zurück zu gewöhnen, an das Schwelgen in Visionen, an die Suche nach ungegangenen Pfaden. Oft fehlt mir die Zeit dazu. Und meistens fehlt mir das Fliegen dazu, denn ich bin doch sehr bodenständig geworden. Aber Träume und Sehnsüchte brauchen Flügel. Vielleicht sollte ich besser einige Stunden da draußen in der Sonne liegen oder eines dieser im Frühlingswind fliegenden Birkenblätter sein, um besser darüber nachdenken zu können.

4 Comments:

der Nachbar schrieb...

Keine Sehnsüchte mehr? Das klingt irgendwie traurig. Du sagst doch selbst, dass alles möglich sei. Das schließt doch aus, dass etwas nicht möglich ist. Also die Idee, fliegende Birkenblätter zu sein, find ich ziemlich gut, ehrlich gesagt! So sollte man sich von Zeit zu Zeit fühlen. Lass dir doch deine Sehnsüchte von all den "bodenständigen" Gedanken nicht nehmen. Pass gut auf sie auf, denn sie sind und bleiben dir. Meine Güte, hört sich das großväterlich an. :-)

23. April 2007 21:18  
mkh schrieb...

Ja, ich glaube, ich habe eine Sehnsucht danach, wieder mal öfters fliegende Birkenblätter zu sein!

23. April 2007 22:32  
Markus Quint schrieb...

Sehr pragmatischer Ansatz, aus meiner Sicht ist jedoch nur das scheinbar Unerreichbare interessant. Allerdings ist es nicht verkehrt, zwischen den Sehnen und Knorpeln Fleisch wachsen zu lassen.

24. April 2007 12:06  
mkh schrieb...

Naja, nach dem Erreichbaren zu greifen, heißt ja oft schon scheinbar Unerreichbares anzupacken. Kommt ganz auf die Anforderung an, die man dabei an sich stellt.

Das Unerreichbare ist so lange ein lustiges Luftbild, wie man nur davon träumt; setzt man seine Suche und Sehnsucht dann in die Maßstäbe der Erreichbarkeiten um, wird die Sehnsucht zu Arbeit und Anstrengung... - Ob im exotisch tropischen Urwald oder im ganz normalen Dschungel der Alltagspflichten.

Dein Wortspiel mit den Sehnen ist wieder mal feinste Sahne; ich dekodiere derweil noch.

24. April 2007 12:24  

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